Für Mathematik und Statistik im HSG-Assessmentjahr empfehlen wir dir einen Selbstcheck, bei dem du nicht nur rechnest, sondern auch deinen Ansatz erklärst. Genau so haben wir von Zulassungscoach die Aufgaben in diesem Beitrag aufgebaut: Du prüfst Umformungen, liest Funktionen und deutest Ergebnisse. Damit wird sichtbar, welche Grundlagen dir für mathematische Modelle im Studium noch fehlen. Eine Vorbereitung auf den Zulassungstest allein bildet diesen Übergang nicht vollständig ab.
Die HSG nennt in ihrem aktuellen Assessment-Curriculum für die wirtschaftswissenschaftliche Richtung Mathematik mit Statistik A und B. In International Affairs gehört Mathematik mit Statistik A zum Herbstsemester; im Frühjahr folgt in dieser Richtung Politikwissenschaft B. Die konkrete Vorbereitung muss deshalb zu deiner Richtung passen.
Woran sich Studienmathematik und Testvorbereitung unterscheiden
Im Auswahlverfahren steht die Bearbeitung von Eignungsaufgaben im Mittelpunkt. Ein Studienfach entwickelt Begriffe, Verfahren und Anwendungen über ein Semester hinweg. Für deinen Lernalltag bedeutet das: Es reicht nicht, eine einzelne Aufgabe schnell zu lösen. Du musst später erkennen können, unter welchen Voraussetzungen ein Verfahren funktioniert und wie sich eine geänderte Annahme auf das Ergebnis auswirkt.
Ein Beispiel: Bei einer Aufgabe zur Preisänderung berechnest du vielleicht korrekt zehn Prozent. Im Studium kann dieselbe Situation durch eine Funktion beschrieben werden. Dann interessieren zusätzlich die Änderungsrate, ein möglicher optimaler Wert und die Interpretation der Variablen. Die Schulrechnung verschwindet nicht, sondern wird Teil eines größeren Zusammenhangs.
Vermeide deshalb zwei Extreme. Du brauchst nicht vor dem Studienbeginn jedes spätere Thema vollständig zu beherrschen. Gleichzeitig solltest du erkennbare Lücken in grundlegenden Umformungen nicht mit der Hoffnung überspringen, dass sie später keine Rolle spielen. Ein sauberer Umgang mit Brüchen, Vorzeichen und Potenzen entlastet dich bei komplexeren Aufgaben.
Das aktuelle Fachgebiet als Orientierung nutzen
Die offizielle Übersicht nennt für Mathematik mit Statistik A unter anderem Funktionen, Ableitungen, finanzmathematische Anwendungen, Optimierung sowie Grundlagen von Wahrscheinlichkeit und Statistik. Mathematik mit Statistik B erweitert die Perspektive beispielsweise um Integration, lineare Algebra und Regression. Nutze diese Themen zur Orientierung im Curriculum, nicht als vollständige Stoffliste für eine konkrete Prüfung. Dafür sind die aktuellen Kurs- und Prüfungsmerkblätter entscheidend.
Ordne die Vorbereitung in drei Ebenen:
| Ebene | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Rechnen | Kann ich die notwendigen Schritte korrekt ausführen? | Einen Bruchterm vereinfachen |
| Verstehen | Weiß ich, was der Ausdruck bedeutet? | Eine Steigung als Änderung erklären |
| Anwenden | Kann ich das passende Modell auswählen? | Kosten und Erlös in einen Gewinnzusammenhang übersetzen |
Wenn du nur die erste Ebene trainierst, wird eine anders formulierte Aufgabe schnell schwierig. Wenn du ausschließlich die Idee erklären kannst, aber im Rechnen unsicher bist, verlierst du bei der Durchführung den Überblick. Ein guter Selbstcheck enthält daher beides.
Offizielle Mathematik-Vorkurse zuerst prüfen
Die HSG bietet einen Online-Vorkurs „Onboarding Mathematik“ sowie einen kostenlosen Präsenz-Vorkurs an. Die offizielle Seite empfiehlt die Onlinevorbereitung vor dem Präsenzangebot. Zum Quellenstand 3. September 2026 wird der nächste Präsenzkurs für August 2027 angekündigt; eine Anmeldung ist erforderlich, die Plätze sind begrenzt. Einzelheiten findest du auf der HSG-Seite zu den Mathematik-Vorkursen.
Prüfe dort den tatsächlichen nächsten Termin, die Unterrichtssprache und den Zugang. Ein alter Screenshot oder eine weitergereichte Nachricht ist dafür keine ausreichende Grundlage. Verwechsle den Vorkurstermin außerdem nicht mit einem Termin des Zulassungstests: Das Angebot bezieht sich auf mathematische Voraussetzungen des Studienstarts.
Bereite dich auf einen Vorkurs aktiv vor. Lege eine Liste mit fünf konkreten Fragen an. „Ich verstehe Funktionen nicht“ ist als Ausgangspunkt verständlich, aber schwer zu bearbeiten. Hilfreicher ist etwa: „Ich kann Werte einsetzen, weiß aber bei einer Sachaufgabe nicht, was die unabhängige Variable sein soll.“ Dann lässt sich die Lücke gezielt schließen.
Ein eigener Selbstcheck mit vollständigen Lösungen
Die folgenden Aufgaben wurden von unserer Redaktion als Einstieg entwickelt. Es sind keine Originalaufgaben der HSG und keine Prognose zur Prüfung. Versuche jede Aufgabe zunächst ohne Musterlösung. Notiere nicht nur dein Ergebnis, sondern auch, an welcher Stelle du überlegen musstest.
1. Gleichung umformen
Löse: 3(2x − 4) = 2x + 8.
Ausmultiplizieren ergibt 6x − 12 = 2x + 8. Subtrahierst du auf beiden Seiten 2x, erhältst du 4x − 12 = 8. Nach Addition von 12 folgt 4x = 20 und damit x = 5. Die Probe ergibt links 3 × (10 − 4) = 18 und rechts 10 + 8 = 18.
Die wichtigste Diagnosefrage lautet: Hast du dieselbe Operation auf beide Seiten angewandt? Wenn du nur das Ergebnis getroffen hast, wiederhole den Lösungsweg mit anderen Zahlen.
2. Eine Veränderung rückwärts berechnen
Ein Betrag steigt um 20 Prozent auf 144. Wie hoch war der Ausgangsbetrag?
Der Endbetrag entspricht 120 Prozent des Ausgangswerts. Deshalb gilt 1,2 × Ausgangswert = 144. Division durch 1,2 ergibt 120. Eine Verringerung von 144 um 20 Prozent wäre eine andere Rechnung und ergäbe 115,2. Die Prozentbasis ist der entscheidende Unterschied.
3. Eine Funktion interpretieren
Ein vereinfachtes Kostenmodell lautet K(q) = 200 + 5q. Dabei bezeichnet q eine nichtnegative Stückzahl und K die Kosten in einer gemeinsamen Geldeinheit. Welche Bedeutung haben 200 und 5?
Die 200 beschreiben den Betrag bei q = 0. Der Faktor 5 bedeutet im Modell, dass eine zusätzliche Einheit die Kosten um 5 erhöht. Für q = 40 ergeben sich K(40) = 400. Die durchschnittlichen Kosten je Einheit sind dann 400/40 = 10. Zusätzliche Kosten pro Stück und Durchschnittskosten sind hier unterschiedliche Größen.
4. Eine Ableitung mit einer Entscheidung verbinden
Betrachte das eigene Modell G(q) = −q² + 20q − 36. Die Ableitung lautet G′(q) = −2q + 20. Sie ist bei q = 10 gleich null. Weil die Parabel nach unten geöffnet ist, liegt dort ihr Maximum. Einsetzen ergibt G(10) = −100 + 200 − 36 = 64.
Die Rechnung ist erst abgeschlossen, wenn die Modellgrenzen geklärt sind. Wäre q nur zwischen 0 und 6 zulässig, wäre q = 10 keine mögliche Entscheidung. Die mathematische Lösung muss immer zum zulässigen Bereich passen.
5. Wahrscheinlichkeit und Information trennen
In einer selbst erstellten Tabelle stehen 100 fiktive Bestellungen: 60 wurden online aufgegeben, davon 15 zurückgeschickt. Insgesamt wurden 20 Bestellungen zurückgeschickt. Wie hoch ist der Rücksendeanteil unter den Onlinebestellungen?
Gesucht ist 15/60 = 25 Prozent. Die Rechnung 15/100 = 15 Prozent beantwortet eine andere Frage: Welcher Anteil aller Bestellungen ist zugleich online aufgegeben und zurückgeschickt worden? Vor jeder Rechnung solltest du daher den Nenner in Worten benennen.
Aus Fehlern einen überschaubaren Trainingsplan machen
Wir empfehlen dir, den Selbstcheck nach Fehlerursachen auszuwerten, statt nur richtige Antworten zu zählen. Ein Rechenfehler verlangt etwas anderes als ein Verständnisproblem. Verwende beispielsweise die Kategorien „Vorzeichen“, „Umformung“, „Begriff“, „Modellwahl“ und „Interpretation“. Schreibe daneben eine passende nächste Aufgabe.
Wenn du in Aufgabe 2 den falschen Ausgangswert berechnet hast, brauchst du zunächst weitere Aufgaben mit wechselnder Prozentbasis. Wenn du in Aufgabe 4 die Ableitung korrekt gebildet, aber den zulässigen Bereich übersehen hast, ist die nächste Aufgabe eine Interpretation mit Nebenbedingung. Zehn weitere identische Ableitungen würden die eigentliche Lücke kaum sichtbar machen.
Ein sinnvoller Wochenzyklus könnte so aussehen: Am ersten Tag wählst du eine konkrete Lücke. An zwei weiteren Tagen bearbeitest du wenige passende Aufgaben und erläuterst die Schritte. Am Ende der Woche mischst du diese Aufgaben mit bereits vertrauten Themen. Dieser Ablauf ist ein redaktioneller Vorschlag, keine offizielle Zeitvorgabe der HSG.
Die ersten Vorlesungswochen gut nutzen
Lege zu jedem neuen Thema eine Seite an, auf der drei Dinge stehen: die zentrale Definition, ein selbst gelöstes Beispiel und eine offene Frage. Halte diese Seite bewusst kurz. Eine vollständige Abschrift der Veranstaltung zeigt noch nicht, ob du den Inhalt selbst anwenden kannst.
Nach einer Veranstaltung bearbeitest du möglichst eine Aufgabe ohne Blick auf die Musterlösung. Wenn du nicht weiterkommst, markiere den letzten sicheren Schritt. Erst dann schaust du gezielt nach. Schreibe anschließend die Lösung noch einmal eigenständig auf. Dadurch kannst du unterscheiden, ob du den Zusammenhang verstanden oder lediglich eine Vorlage wiedererkannt hast.
In einer Lerngruppe kann eine Person den Ansatz erklären, eine zweite die Rechnung durchführen und eine dritte die Voraussetzungen prüfen. Wechselt die Rollen. Eine Gruppe, in der dauerhaft dieselbe Person rechnet, gibt den anderen wenig Rückmeldung über den eigenen Stand.
Eine Lösung auf mehreren Wegen kontrollieren
Du kannst einen Rechenweg häufig prüfen, ohne die gesamte Rechnung zu wiederholen. Bei einer Gleichung setzt du dein Ergebnis ein. Bei einer Prozentrechnung prüfst du den Ausgangswert durch die Vorwärtsrechnung. Bei einer Funktion hilft eine kleine Wertetabelle, um die Größenordnung und Richtung einer Veränderung zu sehen.
Verwende für das eigene Kostenmodell K(q) = 200 + 5q beispielsweise q = 0, q = 10 und q = 20. Die Kosten betragen dann 200, 250 und 300. Wenn dein Diagramm bei q = 0 durch den Ursprung liefe, würde es nicht zur Funktion passen. Wenn du bei q = 20 Kosten von 1.000 errechnet hättest, wäre ein erneuter Blick auf Einsetzen oder Rechenreihenfolge nötig.
Auch Einheiten sind eine Kontrolle. Ein Gesamtbetrag und ein Betrag pro Stück dürfen nicht ohne Erklärung gleichgesetzt werden. Schreibe die gesuchte Größe deshalb einmal in Worten auf. Mit dieser kleinen Gewohnheit erkennst du Fehler, die eine formal sauber aussehende Rechnung sonst verdecken kann.
Was du vor dem Studienbeginn nicht erledigen musst
Es ist nicht erforderlich, jede vertiefende Methode aus dem Curriculum auf eigene Faust vorwegzunehmen. Priorisiere Aufgaben, bei denen du die mathematische Sprache sicherer beherrschst. Wer Variablen, Einheiten und Gleichungsumformungen sauber trennt, hat einen klareren Einstieg in neue Themen.
Kaufe außerdem keine Materialsammlung allein wegen eines angeblich vollständigen HSG-Prüfungsversprechens. Prüfe die Zuordnung zu Studienrichtung, Semester und aktuellem Kurs. Die verbindlichen Informationen kommen aus den offiziellen Merkblättern. Unser Überblick zu Fächern und Tracks hilft bei der Einordnung; der Lernplan fürs Assessmentjahr verbindet Mathematik mit deinen anderen Verpflichtungen.
Mit unseren Ratgebern geben wir dir Orientierung für den Weg von der Bewerbung ins Studium. Unsere Vorbereitungsangebote für den HSG-Zulassungstest richten sich an Bewerbende vor dem Auswahlverfahren; sie sind kein Vorbereitungskurs auf Prüfungen im Assessmentjahr.



